Freitag, 20. Juli 2007

Zwei gestrandete Trümmer im Park


Wir sitzen gerade im Central Park, als die Trümmer durch die Lüfte fliegen und eine Rauchsäule aus Richtung Süden aufsteigt. Dann mischen sich die Sirenen dazu, bei uns nimmt die Unsicherheit Platz. Gerade redet man noch über die Zukunft, schon schweifen die Gespräche in die Vergangenheit.





Genau wie die Zeitungen es uns am nächsten Tag bestätigen, an einen Unfall will in dieser Stadt nach dem 11. September, anfangs niemand niemals mehr glauben. Der Terrorismus ist allgegenwärtig - in den Köpfen, also überall - und den legt man nicht so einfach ab.
Auch wenn das Problem diesmal hausgemacht war, und eine alte Dampfleitung ihren letzten abließ.

Wir schweifen aus in unseren Gesprächen, ins Jahr 2001 - ich war damals das erste Mal auf Interrail, und der Zug hatte uns am 11. nach Bilbao gebracht. Am 12. schien die Sonne, ich glaube es war Mittag und wir am Basketballplatz. Nicht am Spielen, nur am Schauen. Die Langeweile nahm Platz und um mich ihr zu entziehen, bin ich zurück in die Herberge. Am Gang entlang gehend, blicke ich auf eine der unzähligen Bildschirme, die dort von der Wand hängen und starre wie einige vor mir, auf die Bilder. Dem Spanisch nicht mächtig, mochten mir die Bilder auch nicht wirklich etwas sagen. Ein immer wieder im Repeat Modus abgepieltes Video wurde einem gezeigt. Zwei Türme, anscheinend das World Trade Center, danach ein Flugzeug, ein Einschlag - und wieder zurück.
Genau das gleiche Video, dass noch heute im Repeat Modus läuft - besonders in den Köpfen aller Amerikaner - Video an, ab, zurückspulen….bleibt da noch Zeit über andere Sachen nachzudenken? Man will den Auslöschen, der das Video in die Köpfe brachte. Die Löschtaste des Abspielgerätes finden.

Die Sirenen werden immer mehr und lauter, ein Parkwächter empfiehlt uns entweder nach Hause zu gehen, oder uns nicht vom Platz zu bewegen. Wir bevorzugen, das Grün gegenüber unserem neuen Dachgeschoßzimmer.




Central Park mit Rauchsäule im Hintergrund

Eva erinnert mich an unsere erste gemeinsame Bombenexplosion. Damals 2005 in Kairo. Wieder ein Land dessen Sprache nicht in unserer Mächtigkeit stand. Eine SMS aus dem Heimatland, die um unserer Versehrtheit, zwecks Bombenexplosion im Basar, wissen wollte brachte unsere Knie ins schwingen. Die nun überall und allseits präsente Polizei und die Anwesenheit eines Miltärwagens neben den anderen, steigerte eher die Unsicherheit. Unser Hotel verließen wir 2 Tage nur noch zur Nahrungsaufnahme. Dazwischen spinnten wir uns in Angstszenarien ein.
Die nächste heuer in Istanbul, ein Polizeiwagen sperrt großräumig einen Mistkübel ab, den sie danach vielleicht sprengen. So lange haben wir mit dem Warten nicht gewartet - lieber in den voll befüllten Basar hinein. Mit Schmerzen im Bauch.

Wir wollten nicht das 2007 noch eine zweite kommt, hier in New York, welche sich am nächsten Tag als Nichtbombe herausstellte. Ich glaube das Video beginnt sich auch in uns zu wiederholen.

Dabei wollten wir über die Zukunft reden.
Wo bekommen wir unseren fahrbaren Untersatz für die Reise her, wie klappern wir systematisch die Autohändler ab. Die Reiseroute muss noch genau festgelegt werden. Wie kommunizieren wir die Reise.


Das Schreiben hinkt immer ein wenig nach, aber nach all den Eindrücken, die einem jeden Tag passieren wollen, bleibt dann oft nur mehr wenig Lust am Abend, wieder alles rauszulassen.

Aber wir beginnen noch mal von vorne, zumindest beim ankommen.
Die Taxifahrer in diesem Land sind die gleichen wie bei uns. Nur das hier keiner von hier ist.
Außer die Rothäute, aber die hat man vorsichtshalber in Reservate eingewiesen.
Also alle Zuwanderer oder besser Zufahrer - Zuschiffer.
Wir genießen die Fahrt durch die Stadt, über eine der Brücken, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe, leisten uns den unnötigen Luxus vom Taxi ins Hotel, bzw. in die Absteige gebracht zu werden.
Wobei für mich fraglich scheint, ob in dieser Absteige das Absteigen wirklich noch möglich ist. Eva ist eine genaue Hotelzimmerinspizientin, auf ihre Meinung verlasse ich mich gerne, auch wenn sie hier nicht besonders positiv ausfällt.



Hotelzimmer 1: Die Blutlache


Der Boden sieht aus als ob er schon das Blut mehrer Bluttaten aufsaugen musste. Die Spritzer auf der Wand, dem Bodenflecken folgend, würde die Theorie unterstützen. Der Dusche fehlt der Kopf und der Duschakt wird zu einer Hochdruckreinigung. Mit anschließend zwar gewaschenen Haaren, aber dafür Kopfweh.
Schnell ist beschlossen sich etwas Neues zu Suchen, so billig es hier auch war - das könnte keine weitere Nacht, mit vielleicht anschließender Bluttat rechtfertigen.
Am nächsten Morgen brachen wir uns auf - Internetrecherche und ein Zeitungsinserat brachten uns auf die West 82nd Street, Upper West Side.

Dank sei unserer Privatvermieterin. In der Nähe des Natural History Museums und des Central Parks, dürfen wir nun im Dachgeschoß des 15. auf die Nachbarfassaden starren.
Dürfen uns das erste Mal dem amerikanischem Fernsehen hingeben, welches seine angepriesene Dummheit, dank anfänglicher Sprachschwierigkeiten, noch nicht ganz zu Geltung brachte. Dürfen unsere mitgebrachte, aus China nach Europa importierte, USA Karte aufhängen.








Aber wirklich dankbar setzen wir uns nach einem Besuch im Natural Histroy Museum in den Central Park, um uns die Explosionstrümmer um die Ohren fliegen zu lassen.

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